Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for März 2011

Zwei Nächte, in denen ich extrem schlecht geschlafen und zwei Tage, die ich mit Kopfschmerzen, leichtem Fieber und gelegentlichem Schüttelfrost überstanden habe. Hinzu kam diese enorme Kraftlosigkeit, die immerhin nicht der depressiven Ecke zugeordnet werden kann, aber dennoch auf eine gewisse Weise handlungsunfähig machte.

Ein leichtes Schwächeln würde ich vermuten, etwas Frühjahrmüdigkeit ist auch nicht ungewöhnlich und erst recht nicht, wenn gerade mit Schlafstörungen gekämpft wird. Gleichzeitig piesacken mich die altgewohnten Frauenbeschwerden, die vermutlich auch ihren Anteil daran haben.

Da ich aber seit Montagabend die Tabletten nicht mehr nehme, deren Nebenwirkung mir ein gewisses Maß an Schlaf garantiert hat, frage ich mich, ob ich womöglich gerade mit leichten Entzugserscheinungen zu kämpfen habe.

Vielleicht bin ich aber auch nur übersensibilisiert, weil ich mich derzeit selbst unter Beobachtung halte, um rechtzeitig eingreifen zu können, falls ich wirklich ohne diese Tabletten aus der Spur laufe.

Ein Blick aus dem Fenster bestätigt den Wetterbericht: Es ist ein grauer regnerischer Tag angesagt. Sicherheitshalber werde ich heute einen Wohlfühltag einlegen und mich nach der vorab nötigen Kopfschmerztablette mit Duft, Wärme, Musik, Handwerk und Lesestoff verwöhnen.

Advertisements

Read Full Post »

Nach Rücksprache mit meiner Psychologin nehme ich ab heute das Neuroleptikum, von dem ich zuletzt nur noch 0,5 mg täglich geschluckt habe, nicht mehr. Im akuten Notfall soll ich allerdings jederzeit sofort mit 1 mg einsteigen und mich unverzüglich bei ihr melden.

Übrig bleiben immer noch das Antidepressivum und das Antiepileptikum zur Phasenprophylaxe. Ein Team, mit dem ich leben kann, aber vielleicht nicht muss. Aber immer alles der Reihe nach und vor allem nicht unkontrolliert.

Read Full Post »

Als ich heute über meine Website zum Thema Bipolare Störung gesurft bin, habe ich mit Bestürzung folgendes persönliche Statement auf BipolArt.de entdeckt:

»Liebe Freunde,

nach langen Überlegungen haben wir uns schweren Herzens dazu entschieden, BipolArt einzustellen.
Das hat verschiedene Gründe. Zum einen schaffen wir es aus finanziellen, familiären und zeitlichen Defiziten nicht mehr, uns so um das Projekt zu kümmern, wie es das eigentlich verdient hätte.

Zum anderen, und das ist der vordringliche Grund, habe ich am eigenen Leib sehr schmerzlich erfahren müssen, wie sehr eine psychische Erkrankung ausgerechnet von Ärzten, Ämtern, Behörden und der Justiz stigmatisiert wird.
Ich habe dadurch innerhalb des letzten Jahres zwei meiner Kinder „verloren“. Ich habe mein Leben von Grund auf ändern müssen und muss aus beruflichen Gründen jetzt und zukünftig darauf verzichten, öffentlich zu meiner Erkrankung zu stehen.

Es war eine schöne Zeit, Leute. Wir haben viele wunderbare Menschen kennengelernt und es fällt uns nicht leicht, diese jetzt zu beenden.

Es wäre schön, wenn sich jemand finden würde, der bereit ist, dieses wichtige Projekt zu übernehmen.

Vielen Dank für alles,

Lena & Eric«

Ich danke Lena und Eric für den Mut zur Offenheit im Umgang mit der Krankheit und die Mühe und das Herzblut, das sie in ihr Projekt investiert haben. Was daraus geworden ist tut mir unendlich leid und ich wünsche ihnen alles Liebe und viel Kraft auf ihrem weiteren Lebensweg.

Read Full Post »

„…Irgendetwas stimmt hier nicht. Dieses Buch ist merkwürdig. Immer wieder kommt der Anfangsbuchstabe meines Nachnamens in auffälligen Kombinationen vor. Einige Geschichten erinnern mich an eigene Erlebnisse, die der Lütz doch gar nicht kennen kann. Wie ist mir dieses Buch überhaupt in die Hände gespielt worden? Der Mann im Buchladen hat mich auch schon so eigenartig angeschaut. Lächelte er nicht irgendwie hintergründig? Wer hat mich so intensiv auf dieses Buch verwiesen, dass ich es jetzt lese? Und was sollte das eigentlich? Warum soll ausgerechnet ich dieses Buch über Psychiatrie lesen? Will mich da jemand verrückt machen? Will man mich irgendwie in die Psychiatrie bringen? Und jetzt lese ich noch diese Sätze! Wird damit jetzt gleich die Katze aus dem Sack gelassen? Wird nicht jetzt gleich, während ich über meine drohende Einlieferung in die Psychiatrie lese, jemand hereinkommen und mich in freundlich einfühlsamem Ton auffordern, meine Sachen zu packen und einfach mal mit ins Krankenhaus zu kommen? Gerade spüre ich auch so einen leichten Druck auf dem Magen. Woher kommt der denn plötzlich? Irgendwie ist ja auch das Zimmer, in dem ich hier bin, merkwürdig. Der Griff am Fenster zeigt auf mich. Warum? Das Bild an der Wand hängt etwas schief. Was soll mir das sagen? Irgendwie ist das hier doch alles arrangiert. Auch der Mensch, dem ich eben begegnete, bevor ich mich zum Lesen zurückzog, reagierte nicht wie sonst. Seine Worte selbst waren zwar nicht besonders auffällig, aber es schwang bei genauem Hinhören etwas mit. Jetzt soll ich die Seite umblättern, warum ausgerechnet jetzt? Muss ich jetzt unbedingt weiterlesen? Was passiert, wenn ich jetzt das Buch schließe? Ist das dann das Zeichen für etwas Furchtbares? Ich hatte ja schon länger so ein Gefühl…Passiert es jetzt? Im nächsten Moment? Es ist alles so unheimlich. Irgendwie unwirklich. Nicht so wie sonst. Aber was steckt eigentlich dahinter? Wer führt da etwas gegen mich im Schilde? Warum outet der sich nicht? Warum diese ganze Heimlichtuerei? Doch je mehr ich darüber nachdenke, fällt mir wieder dieser Buchhändler ein. Er lächelte ja so merkwürdig. Wahrscheinlich steckt der dahinter. Ja klar, der hat das alles organisiert! Der hat mir dieses manipulierte Buch mit all den indirekten Botschaften in die Hände gespielt, der will mich verrückt machen, mich demütigen, mich fertigmachen. Der hat auch hier im Zimmer mit irgendwelchen undurchsichtigen technischen Methoden einige Auffälligkeiten produziert. Vielleicht bestrahlt er auch meinen Magen mit irgendwelchen unsichtbaren Laserstrahlen. Dieser Kerl steckt hinter allem! Jetzt ist es klar! Aber von dem werde ich mich nicht so schnell unterkriegen lassen! Ich lasse mich nicht mit Strahlen terrorisieren! Ich lasse mich nicht verrückt machen! Ich bin nicht verrückt! Meine Umgebung ist verrückt gemacht – von diesem widerlichen Buchhändler.

Wie geht es Ihnen, lieber Leser? Vielleicht gerade mal nicht so gut. Denn was Sie soeben möglicherweise einen kurzen Moment erlebt haben, ist eine so genannte Wahnstimmung, aus der sich ein konkreter Wahn entwickelte…

…Die Verunsicherung des Ich vom Kern her, die Unfähigkeit, mit diesem Ich Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, und daher das Gefühl, der Fülle der Eindrücke, die man empfängt, hilflos ausgeliefert zu sein, das ist die Grundstörung bei der Schizophrenie. Schizophrenie ist also keine ‚Persönlichkeitsspaltung‘ wie man manchmal hören kann, weil es – aus dem griechischen übersetzt – ‚Seelenspaltung‘ heißt. So etwas wäre eher eine ‚Multiple Persönlichkeit’…“

–> Irre! – Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen – Manfred Lütz

…für mich ein Problem, das mit der Manie in Zusammenhang steht 😦 aber gegen das ich glücklicherweise ein hilfreiches Neuroleptikum nehme.

Read Full Post »

Heute hätte mein erster Arbeitstag sein sollen. Aber statt der Freude darüber, dass es endlich wieder los geht, habe ich einzig und allein den Eindruck, dass dieses kleine bisschen Stress des guten zuviel sein könnte und mich gänzlich außer Kontrolle geraten lässt.

In meinem Kopf dröhnt es schon, weil mir der Verstand den problematischen Arbeitsmarkt vor Augen hält und mit dem Euro-Zeichen winkt. Auf der anderen Seite steht die Psychiatrie und dahinter lacht sich schon lauernd der Sensenmann leise ins Fäustchen. Ich überlege, wie ich am besten reagieren kann und komme beinahe wie von selbst zu der Lösung.

Weil die positive Denkweise vieles einfacher macht, dachte ich zuerst an

Möglichkeit 1
Der normale Stress eines ersten Arbeitstages macht mir nichts aus. Die Arbeit lenkt mich ab und nach den Unruhen der letzten Zeit kehrt allmählich wieder ein Stück Normalität zurück in meinen Alltag.

Aber ich bin dermaßen ausgelaugt und zerheult, dass ich an Möglichkeit 1 nicht glauben kann. Realistischer erscheint mir

Möglichkeit 2
Der normale Stress eines ersten Arbeitstages addiert sich zu der vorangegangenen beinahe schlaflosen Nacht und den Unruhen der letzten Zeit und bringt mich noch weiter aus dem sowieso schon nicht mehr vorhandenen Gleichgewicht. Die Arbeit kann ich wegen dem Konzentrationsmangel nicht vernünftig erledigen, weshalb ich den Job schnell wieder los bin und recht bald in der Klinik lande. Dort muss ich mich mühsam aufpeppeln lassen.

Das macht mir Angst und erscheint mir so realistisch, dass ich etwas anderes in Betracht ziehe:

Möglichkeit 3
Ich versuche eine Galgenfrist herauszuschinden indem ich zu einer Notlüge greife, die geglaubt wird und mir statt einer Woche und dem befürchteten Verlust des noch nicht angetretenen Jobs einfach eine 14 tägige Schonfrist beschert. Außerdem bemühe ich mich um einen Notfall-Termin bei meiner Therapeutin oder meiner Psychiaterin, damit mein Gesundheitszustand von professioneller Seite untersucht wird.

Eine Entwicklung, die ich kaum glauben kann und die mir einen riesengroßen Klotz von den Schultern nimmt. Die Arbeit fange ich einfach zwei Wochen später an, aber das mit dem Notfall-Termin wurde leider nichts, weshalb letztlich folgendes zum tragen kommt:

Möglichkeit 4
Die 14tägige Schonfrist nutze ich, indem ich versuche mich selbst wieder auf die Beine zu bringen und den regulären Termin in 9 Tagen bei meiner Therapeutin wahrnehme, weil ich sonst weder bei ihr noch bei meiner Psychiaterin in Kürze einen außer der Reihe bekommen kann. Ich werde mir Ruhe gönnen, viel gute Musik, werde Ytong zu feinem Schleifstaub verwandeln, die kleine weiße Prinzessin zerschmusen (sofern sie mich lässt) und mir auch sonst viel Gutes gönnen.

Außerdem bin ich unendlich dankbar dafür, dass sich hier eine Lösung entwickelt hat, von der ich glaube, dass sie funktionieren wird.

Read Full Post »