Feeds:
Beiträge
Kommentare

Danke!

Gerade habe ich dieses Video entdeckt und war zu Tränen gerührt davon.

Gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die trotz Erkrankung zu einem stehen. Menschen, die es aus genau diesem Grund oft auch nicht leicht haben.

Danke, dass es euch gibt!

 

„Für Angehörige zählt nicht die Krankheit, sondern der Mensch.“ Mit dieser Botschaft möchte der Bundesverband für Angehörige psychisch erkrankter Menschen (BApK) e. V. in seinem Antistigma-Spot die Aufklärung und das Verständnis der Öffentlichkeit für die Betroffenen und im Besonderen auch für deren Familien und Freunde fördern.

Laut Bundesgesundheitsministerium leidet fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung. Weltweit zählen Depressionen, Alkoholerkrankungen, bipolare Störungen und Schizophrenien zu den häufigsten Erkrankungen. Tendenz steigend. Trotzdem werden psychische Erkrankungen weiterhin oftmals tabuisiert. Viele Menschen reagieren mit Verunsicherung und Ängste auf das Thema. Die Betroffen, ihre Familien und Freunde sind mit Ausgrenzung und Stigmatisierung konfrontiert.

Der BApK e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation und Solidargemeinschaft von Familien mit psychisch Kranken. Als Familien-Selbsthilfe Psychiatrie setzt sich der Bundesverband gemeinsam mit seinen Mitgliedern in 15 Landesverbänden auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen für die Verbesserung der Situation psychisch kranker Menschen und ihren Angehörigen und Freunden ein. Hauptanliegen ist die Aufklärung und Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Darüber hinaus tritt er für eine optimale psychiatrische und psychosoziale Versorgung psychisch erkrankter Menschen ein, die sich an ihrer Lebensqualität und am Stand der Forschung orientiert und die Patienten sowie ihre Angehörigen ernst nimmt.

Advertisements

„…I think I’m paranoid and complicated
I think I’m paranoid, manipulated…“

Glücklicherweise bin ich nicht paranoider als sonst und ich glaube sogar, dass es sich im „normalen“ Rahmen bewegt, beziehungsweise das, was ich für einen „normalen“ Rahmen halte. Die Grenzen verliefen damals fließend. Irgendwann summierten sich immer mehr Kleinigkeiten und wuchsen über sich hinaus, bis sie mich aus dem Leben hebelten. Zurückgeblieben ist eine tiefe Verunsicherung und ein kompliziertes Leben, das durch Selbstbeobachtung geprägt ist, damit kleine Anzeichen früh erkannt und gegengesteuert werden kann. Meist hilft mir schon ein massiver Rückzug aus dem sozialen Leben und konzentrierte Ablenkung von dem, was der Kopf sich ausdenkt. Wenn das nicht ausreicht, wie zuletzt vor 5 Jahren, rücken Tabletten die Gedankenwelt wieder an den richtigen Platz. Anders wäre das Leben nicht auszuhalten.

In manchem, das die Protagonistin durchlebt hat, konnte ich mich wiedererkennen und fühlte mich an die durchwachsenen, vor allem aber auch an die positiven Aspekte der Klinikzeit zurückerinnert. Fast hätte ich mir beim lesen dieses Buches gewünscht, mit Myrthe van der Meer meine Zeit in der Tagesklinik wiederholen zu können. Sie leidet zwar neben der Bipolaren Störung auch unter dem Asperger Syndrom, aber wir hätten sicherlich viel Gesprächsstoff gehabt.

„Heiter bis wolkig“ von Myrthe van der Meer gewährt einen humorvollen ehrlichen Blick in das Innere einer offenen Station mit seinen unterschiedlichsten Patienten, Problemen und Krankheitsbildern, lässt aber gleichzeitig auch ein wenig von der Besonderheit dieser geschützten Atmosphäre erahnen, in der man monatelang all seine Probleme, Frustrationen, Schwächen und Ängste mit Pflegern und Mitpatienten teilt, bis man wieder für ein Leben außerhalb gekräftigt ist.

Etwas mehr über dieses Buch, das viel Stoff zum Nachdenken und Reflektieren hat, einen aber auch ein ums andere Mal schmunzeln lässt, erfahrt ihr in der Rezension auf meinem Bücherblog umgeBUCHt.

Geistesentkräftung

„Es geht nicht darum, ob ich eine Schlange sehe oder eine Katze, dass Menschen plötzlich polnisch sprechen oder ob ich denke, dass ich verfolgt werde. Das Schwierigste ist nicht, dass es da ist, das Schwierigste ist, dass es etwas ändert. Als ob jemand die Welt durcheinandergewürfelt hat, als man kurz nicht hingeguckt hat. Als ob man in sein Wohnzimmer kommt und die Fernsehzeitung plötzlich ganz woanders liegt, obwohl man sicher ist allein zu sein. Und das jedes Mal aufs Neue. Es geht um den Schock, den Stress, die Angst, dass es wieder passiert, und die Wut und die Verzweiflung, dass man nichts tun kann, um es zu verhindern … Und das alles, während man versucht, niemand merken zu lassen, dass man was verloren hat, denn vielleicht ist es nur eine Fernsehzeitung, aber es kann auch der Verstand sein.“

[Heiter bis wolkig – Myrthe van der Meer, S. 170]

Auch wenn mich Medikamente und eine stark stressreduzierte Lebensweise fast gänzlich von solchen Symptomen befreien konnten, bleibt doch eine tief sitzende Verunsicherung zurück.

 

Orbital – The Box

Einladung zur Mut-Tour

Wer sich im Juni, Juli oder August 2018 sportlich für einen guten Zweck engagieren möchte, kann sich der Mut-Tour anschließen.

Bei dem Aktionsprogramm bewegen sich die Teilnehmer in Sechser-Teams auf Tandems, in Kajaks und beim Wandern durch ganz Deutschland, um einen Beitrag zur Entstigmatisierung der Depression als Erkrankung zu leisten.

Bundesweit gibt es in vielen Orten Infostände und Mitfahr-Aktionen – und Sportler muss man dafür nicht sein.

Mehr Infos gibt es unter: Mut-Tour.

Momentan fühle ich mich dafür nicht stark genug, aber vielleicht ihr?

Es ist immer das Gleiche: Erst werde ich wütend, dann macht es mich traurig und dann raubt es mir die Kraft, weil ich es zu nah an mich herankommen lasse, anstatt einfach mein Leben so weiter zu leben und zu ignorieren, wie Medien und Politik mit psychisch Kranken umgehen und welche Botschaften sie dadurch an die ‚gesunde‘ Bevölkerung senden. So heißt es:

„Depressive Menschen sollen künftig nach Regeln, die bisher nur für Straftäter galten, in Krankenhäusern festgesetzt werden können – ohne dass (wie bei Gustl Mollath) eine Straftat vorliegt.“ (Quelle: http://www.sueddeutsche.de/)

Wenn dadurch tatsächlich vermieden würde, dass Menschen, die an dieser Erkrankung leiden und sich zu kriminellen Handlungen entscheiden, indem sie als Pilot ein vollbesetztes Passierflugzeug gegen einen Berg fliegen oder ihr Kraftfahrzeug in die Menschenmenge steuern und sich im Anschluss umbringen, würde ich es vielleicht sogar unterstützen. Aber diese grobe Vereinfachung und Pauschalisierung, die mit einem Rundumschlag alle Depressiven zu Straftätern macht, hilft hier nicht weiter, sondern gleicht eher blindem Aktionismus. Depressionen sind plötzlich nicht mehr die von den Medien stilisierte Volkskrankheit, deren Ableger ‚Burnout‘ auch die fleißigen Erfolgreichen treffen kann. Will man tatsächlich auch Menschen, wie beispielsweise Robert Enke oder Joanne K. Rowling, die offen mit ihrer Erkrankung umgehen, bzw. umgingen, mit kriminellen mordenden Subjekten vergleichen?

Da es sich um ein schwerwiegendes gesellschaftliches Problem handelt, sucht die Kriminologie bereits seit Jahrzehnten nach einer gemeinhin akzeptierten Erklärung der Ursachen von Kriminalität, die in allen Altersgruppen, allen Sozialsystemen, allen politischen Systemen und an allen Orten zu finden ist. Sowohl individuelle als auch Faktoren der Umgebung werden herangezogen. Wirklich durchsetzen konnte sich bisher keine der vielen Theorien.

Doch nun scheinen Politik und Presse die Lösung gefunden zu haben: Die Kriminellen sind psychisch krank. Das heißt aber auch: Wer psychisch krank ist, ist ein potentieller Krimineller. Und somit bin auch ich kriminell und gefährlich, auch wenn ich tatsächlich nur für mich selbst eine Gefahr darstelle und mir selbst in schlimmsten Krisenzeiten niemals auch nur der Gedanke aufkam, einem anderen Lebewesen außer mir, das Leben zu nehmen. Gleiches behaupte ich von den vielen Menschen, denen ich während meiner Zeit in psychiatrischen Einrichtungen begegnet bin, die zwar mitunter nervig sein konnten, die aber manchmal kaum die Kraft zum atmen hatten und bei denen ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass das potentielle Mörder sein sollen.

Nicht auszudenken, was dieses Gesetz noch mit sich brächte, träte es in Kraft. Welcher Depressive suchte sich wohl noch Hilfe, aus Sorge polizeilich auffällig zu werden. Für mich war die Hürde endlich Hilfe zu suchen und anzunehmen auch ohne diese Auflage schon immens hoch. Und zöge diese Auffälligkeit vielleicht auch einen Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis mit sich? Das hätte in meinem Fall sogar als Nebenwirkung bedeutet, das mich das den früheren Arbeitsplatz gekostet hätte.

Vielleicht sollte man sich lieber wieder darauf konzentrieren herauszufinden, was Menschen dazu bringt, das Leben anderer Menschen so wenig zu achten, dass sie es ihnen nehmen wollen. Das schließt natürlich auch die psychisch kranken Kriminellen ein, die selbst in psychiatrischen Einrichtungen ihren eigenen Bereich bekommen und nicht mit den anderen psychisch Kranken in einen Topf geworfen werden.