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Wenn nicht jetzt, wann dann?

Eigentlich müsste ich…
Besser wäre es, wenn ich…
Gerade in meinem Fall wäre es wohl sinnvoll, wenn ich…

Aber mir geht es doch gut. Das will ich genießen, solange es dauert. Den Fokus auf das Positive richten. Nicht die Katastrophen suchen oder sich Horrorszenarien ausmalen, weil mir das nicht gut tut.

Und doch lässt mich die Angst vor der eigenen Psyche nicht los. Es war bisher noch nie so schlimm, dass sie mich derart im Stich gelassen hätte, dass ich nicht mehr für mich selbst entscheiden konnte, aber was wäre wenn? Den Gedanken würde ich am liebsten gleich verdrängen und doch bin ich mit meinen Lebensjahren über die Mitte hinaus, so dass auch ohne psychische Erkrankung irgendwann vielleicht zunehmende Altersdemenz oder gar Schlimmeres von mir Besitz ergreifen könnte. Es wäre also tatsächlich sinnvoll sich über einige Dinge Gedanken zu machen und diese vorsorglich zu regeln.

Dazu hatte ich zwar bereits einiges im Netz gefunden, konnte aber für mich keinen roten Faden entdecken und fühlte mich von der ganzen Thematik völlig überfordert. Glücklicherweise wurde ich auf zwei Broschüren aufmerksam, die mir mitsamt Formularen sehr gut weiter geholfen haben. Einzelheiten findet ihr auf umgeBUCHt in meinem Beitrag: Das Vorsorge-Set + Das Nachlass-Set.

Genau das beschäftigte mich in den vergangenen Monaten. Kein schönes Thema und enorm anstrengend. Es hat mich einiges an Kraft gekostet, aber ich habe auch vieles mit meinem Herzbuben, mit dem ich nicht verheiratet bin, durchgesprochen und geregelt. Kein schönes Gefühl, jemandem im Ernstfall so unglaublich viel Macht über sein Leben zu geben. Das will gut überlegt sein. Und auch wenn bei mir ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bleibt, fühlt es sich doch auch gut an, einem Menschen dieses Vertrauen entgegenzubringen und sich nicht einfach darauf zu verlassen, dass sich die Dinge im Falle eines Falles schon irgendwie regeln werden.

Und weil ich schonmal dabei war und tatsächlich auch am Leben hänge,  habe ich auch gleich den Notfall-Ausweis heruntergeladen und ausgefüllt. Er ist jetzt mitsamt Organspendeausweis und selbst erstelltem Notfall-Ausweis für meine Katze in meinem Portemonnaie, weil ich es fast immer dabei habe, wenn ich unterwegs bin.

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Shock Therapy: Pain

Psychosen: Schizophrenie

„Psychische Störungen, bei denen die Realität verändert wahrgenommen wird, nennt man Psychosen. Die Schizophrenie ist die häufigste Form. Im Laufe seines Lebens erleidet jeder hundertste Mensch eine psychotische Attacke. Neben dem Realitätsverlust kann es zu Wahnvorstellungen und Denkstörungen kommen. Gleichzeitig ist das Gefühlsleben beeinträchtigt. Das Verhalten erscheint der Umgebung plötzlich unsinnig, wobei die Intelligenz unverändert ist.[…]

Eine psychotische Attacke ist für Betroffene eine große Belastung, weil ihnen plötzlich nichts mehr sicher erscheint. Sie denken, sie könnten sich nicht mehr auf ihre Wahrnehmung oder auf andere Menschen verlassen – alles wirkt verwirrend.“

[Quelle: Visite]

Und macht enorm Angst, selbst in Zeiten, in denen ein weitestgehend stressfreies Leben möglich ist und man medikamentös gut eingestellt ist. Es ist mir im nachhinein unbegreiflich, wie mir das Gehirn derartige Streiche spielen konnte. Alles wirkte so real und ich war in der Geschichte, die sich um mich herum gesponnen und immer weitere Kreise gezogen hatte, derart gefangen, dass kein entkommen möglich war. In diesem Erleben erklärte sich für mich alles, was ich hinterfragte, ganz logisch von selbst. Und natürlich fand ich auch in allem Zeichen und Nachrichten, die von mir handelten oder für mich bestimmt waren und auch Telepathie war für mich ein Thema – ähnlich wie in diesem Beitrag:

„Zwei Mediziner unterhalten sich über die Psyche. Edutainment für Ohr und Seele – zwischen Hemdsärmeligkeit und wissenschaftlicher Akkuratesse.“

So heißt es auf der Website PsychCast der beiden Podcaster Dr. Jan Dreher (Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie) und Dr. Alexander Kugelstadt (Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie).

Über Facebook stieß ich auf einen Link zu ihrem aktuellen Podcast: PC069 Angehörige psychisch Erkrankter: was sie beschäftigt, wie sie helfen können.

👍 Gefällt mir und ich werde dort künftig wohl öfter vorbeischauen, nicht zuletzt, weil dort bereits vor diesem Beitrag viele interessante Themen besprochen wurden und noch angehört werden können.

 

 

Gern erinnere ich mich an die Musiktherapie während meiner Zeit in der Tagesklinik 2008 zurück. Das meiste hat mir doch großen Spaß gemacht und ich habe besonders auch das Trommeln in der Gruppe sehr gemocht. So sehr, dass ich mich sogar in der Freizeit mit einer Mitpatientin zum gemeinsamen trommeln traf. Sie hatte die Trommeln und ich die indianische Musik auf CD, deren Takt wir damals ohne Anspruch auf Präzision gefolgt sind. Es hatte beinahe etwas Meditatives und war besonders entspannend. Inzwischen habe ich zwar ein selbstgebautes und eigenhändig verziertes Cajón (peruanische Kistentrommel), aber so intensiv getrommelt wie damals, habe ich seitdem nicht mehr.

Geblieben ist mir von der Musiktherapie außerdem eine selbstgebrannte CD, der ich den Namen „Rescue“ gegeben habe. Darauf befinden sich Musikstücke, die mir einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen, bei denen ich auf den Oberschenkeln eine Gänsehaut bekomme oder bei denen mein Inneres in die Knie geht, ich nur noch „Wow!“ denken kann und der Welt für diese anbetungswürdige Musik danke. Eine ganze zeitlang hat mich diese CD immer mal wieder gerettet, wenn meine Stimmung zu kippen drohte und ich bereits ein flaues graues Lebensgefühl hatte, in das sich erste schwarze zerstörerische Gedanken drängen wollten. Später hatte ich einen Ordner dieser Musikzusammenstellung auf dem MP3-Player, auf dem PC, auf dem USB-Stick im Auto und auch bei meinem (kostenlosen) Spotify-Account gibt es diesen „Rescue“-Ordner. Inzwischen hat er tatsächlich Staub angesetzt, weil ich gesundheitlich viel stabiler geworden bin und diese Songs auch tatsächlich nur dann angehört habe, wenn ich sie dringend nötig hatte.

Als ich vorhin einen Beitrag über die positive Wirkung von Musik ansah, fiel mir genau diese Playlist wieder ein und ich hörte sie mir an. Die Lieder sind immer noch klasse und hellen meine Stimmung auf, obwohl ich das gerade gar nicht unbedingt bräuchte. Aber sie haben dennoch nicht die Wirkung, die sie damals oft auf mich hatten. Das heißt für mich, dass ich in den nächsten Tagen bei Spotify eine neue „Rescue“-Playlist anlegen werde, denn nicht nur die Musik sondern auch das bevorzugte Hör-Medium hat sich in all den Jahren verändert. Ich freue mich schon aufs Zusammenstellen, obwohl ich insgeheim natürlich hoffe, dass mich die Playlist nicht allzu oft ‚retten‘ muss.

Und das ist der Beitrag, der mich daran erinnert hatte, wie unglaublich wohltuend Musik sein kann:

Als ich vor einigen Monaten auf die Mutmachleute aufmerksam wurde, war ich beeindruckt davon, wie viele Menschen sich offen und meist sogar mit Foto zu ihrer psychischen Erkrankung bekennen. Mich hatte es zu der Zeit gerade große Überwindung gekostet, selbst namentlich zu meinem Gastbeitrag über die bipolare Störung zu stehen. Das war für mich zwar ein gut überlegter Schritt, aber etwas mulmig war mir doch, weil ein psychischen Problem in der Öffentlichkeit immer noch leicht dazu führen kann ausgegrenzt und belächelt zu werden.

Aber wozu führt es, wenn man über seine psychische Erkrankung am besten nicht oder wenn dann nur hinter vorgehaltener Hand spricht?

Die meisten lernen immer nur die Spitze des Eisbergs kennen, die sensationslüstern in den Medien präsentiert wird und vor Augen führt, auf welche kriminellen und manchmal auch tödlichen Abwege eine kranke Psyche einige Menschen unter Umständen bringen kann. Dabei ist die Zahl derjeniger, die zwar psychisch krank sind und kein einfaches, aber ein nach außen hin unauffälliges halbwegs normales Leben führen, wesentlich höher und tatsächlich auch repräsentativer. Doch von denen spricht halt in den Medien keiner und mit ihnen spricht man auch nicht über ihre Krankheit, weil ja niemand davon wissen darf. Bei den Mutmachleuten hingegen dürfen und sollen Betroffene von psychischen Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen und deren Angehörige die Möglichkeit erhalten, anderen Mut zu machen und sie dazu motivieren, zu ihrer Erkrankung zu stehen.

Ich las dort über längere Zeit mit und es fühlte sich gut an, nicht allein zu sein. Die Beiträge machen Mut, machen Hoffnung. Aber es dauerte auch bei mir und der Gedanke musste erst reifen, bis ich schließlich den Fragebogen der Mutmachleute herunterlud, ausfüllte und abschickte.

Vielleicht gehöre ich auch zu den Leuten, die etwas Mut machen können – es würde mich freuen!

Hier geht es zu meinem Beitrag:

 

Ich war damals zum zweiten Mal in der Tagesklinik, am Rande meiner Kräfte und ziemlich desillusioniert. Die Arbeit konnte ich nicht mehr in dem Umfang und in der Flexibilität leisten, wie es erforderlich war. Vorrangig ging es darum, wieder zu Kräften zu kommen und gleichzeitig Strategien im Umgang mit der Erkrankung zu entwickeln. Außerdem führte ich Gespräche mit Sozialarbeitern, die mir dabei halfen einen Antrag auf Schwerbehinderung zu stellen. Ich selbst wäre niemals auf den Gedanken gekommen und wollte vermutlich auch nicht wahrhaben, wie sehr mich die Erkrankung einschränkt. Aber letztlich musste ich mir doch eingestehen, dass ich einfach nicht mehr in vollem Umfang und unter ’normalen‘ Umständen arbeiten konnte. Dieses Eingestehen und Annehmen der Behinderung war ein wichtiger Schritt, nach dem sich weitere Möglichkeiten auftaten. Ich nahm nach Beendigung der Tagesklinik an einer Integrationsmaßnahme zur beruflichen Rehabilitation teil, bei der intensiver geschaut wurde, was beruflich bei mir noch geht, beziehungsweise nicht mehr geht. Später wurde ich durch den Integrationsfachdienst beraten. Es ist ein Glück, sich in guten Händen zu befinden und gute Berater zu haben, die einen in die richtigen und in meinem Fall im nachhinein für gut befundenen Bahnen lenken.

Seit diesem Jahr gibt es die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales eingerichteten Beratungsstellen der EUTB, die Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohte Menschen dabei unterstützen sollen, selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen – ihren Bedürfnissen entsprechend, niedrigschwellig und unabhängig von Leistungsträgern und Leistungserbringern z.B. bevor sie konkrete Leistungen beantragen und welche Rehabilitations- und Teilhabeleistungen sie in Anspruch nehmen können.

Grundsätzlich gilt: Betroffene beraten Betroffene und „Eine für alle“, sprich: Betroffene aller Beeinträchtigungsformen (also auch psychischer Erkrankungen) können alle Fragen an ihre Beratungsstelle vor Ort richten. Über die Website der Fachstelle Teilhabeberatung können Interessierte nun per Name, Postleitzahl, Ort oder Bundesland EUTB-Stellen in ihrer Nähe finden.

Mehr Infos gibt es hier: EUTB : Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung

Über die Qualität dieser Einrichtung kann ich nichts berichten. Habt ihr damit schon Erfahrungen gemacht?