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Niemand ist in Drachenblut gebadet. Trotzdem stehen manche Menschen Schicksalsschläge besser durch als andere: Sie sind resilient. Christian Peter Dogs gehört zu diesen Menschen. Er überstand eine traumatische Kindheit und wurde ein erfolgreicher Psychiater und Psychotherapeut. Zusammen mit der Stressforscherin Jana Strahler erklärt er, wie innere Widerstandskraft entsteht und wie man sie bei sich und anderen fördern kann:

Resilienz – Was die Seele stark macht (verfügbar bis 11.9.2023)

 

 

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Seit längerem stolpere ich immer mal wieder über das Online-Videoprojekt Document Your Life, das dabei helfen soll die schönen kleinen Dinge der Welt wahrzunehmen und das Leben zu genießen. Dabei werden kurze Clips der besten Dinge gefilmt, gesammelt und zu einem monatlichen Video zusammengestellt.

Im vergangenen Monat habe ich das mal versucht und immer dann mit dem Smartphone gefilmt, wenn es Momente gab, die ich sehr zu schätzen wusste. Manchmal habe ich es aber auch schlichtweg vergessen, weil ich einfach den Augenblick genoss oder stattdessen lieber fotografierte.

Tatsächlich dachte ich, dass ich kaum Material über den Monat hinweg sammeln könnte, das sich lohnen würde, es zu einem Video zusammenzufassen, aber ich war doch erstaunt darüber, was trotz ausgedehnter Erkältung und innerer Unruhe doch zusammen kam. Es ist ein bisschen wie mit dem Stimmungstagebuch, das ich vor Jahren führte – man sensibilisiert sich und entdeckt auch die positiven Dinge, die manchmal ganz klein und unscheinbar daher kommen. Wenn ich mir nun das fertige Filmchen anschaue, wirkt es tatsächlich stimmungsaufhellend auf mich und vergessen sind die kalten grauen Wintertage, an denen ich mich lieber in der Wohnung verkriechen wollte oder mit Husten und Schnupfen kämpfte. Ich hebe mir mit diesem Filmchen sozusagen das Gute vom Januar auf und lasse das Schlechte ziehen…

Zu sehen ist:
– Ein kleines Feuerwerk von lieben und ganz aufgeregten kleinen Menschen – Auf dem Weg zum Monatsfoto (immer am 1. und immer derselbe Ort) – Geocaching mit wunderschönem Abendspaziergang – Wohltuendes Erkältungsbad – Der erste Spaziergang nach der Erkältung bei Sonnenschein – Kulinarische Weltreise: Mexiko – Spieleabend  – Geocaching mit lieber Unterstützung – Eispfützen zerknirschen – Endlich mein eigenes Foto vom Blutmond – Es hat geschneit! – Das Huhn lebt!

Ganz nebenbei hat es mir noch Spaß gemacht, mich mit der technischen Seite auseinander zu setzen. Ich fotografiere zwar gern mit dem Smartphone, aber filmen war bisher kein Thema für mich. So machte ich natürlich auch einige Fehler und hielt das Smartphone ungünstig, aber man lernt ja aus seinen Fehlern. Zusammengefügt und bearbeitet habe ich die Videoschnipsel und Bilder mit Photoshop und Blender. Aber ich habe mir vorgenommen, demnächst die kostenlose Schnittsoftware Davinci Resolve auszuprobieren, für die es bei YouTube auch einige Lernvideos gibt. Auch darauf freue ich mich. Es fordert mich Neues zu lernen und Spaß macht es mir auch 🙂

Therapieziele

Ich hatte tatsächlich meist eher schwammige Ziele, die immer mal wieder von konkreten Zielen durchsetzt wurden. Als ich heute von PsychCast einen interessanten Podcast zum Thema „Therapieziele“ hörte, fühlte ich mich daran erinnert.

Mein Hauptziel war von Anfang an, dass ich wollte, dass es mir besser geht. Und – wenn ich schon eine Krankheit in mir trage, die ich nicht mehr los werde – wollte ich sie besser verstehen und den Umgang mit ihr lernen.

Sehr schwammige Ziele, die ich gar nicht konkret benannt oder für mich festgelegt hatte und die doch immer unbewusst für mich feststanden und mein Tun und Handeln bestimmten. Aber inzwischen sind diese schwammigen Ziele zu messbaren Größen geworden, denn ich kann ganz klar sagen, dass es mir besser geht. Besser als vor 10 Jahren, besser als vor 5 Jahren und besser als vor 2 Jahren.

Diese Zeit war allerdings immer mal wieder auch von konkreten Zielen durchsetzt. Anfangs war da noch ganz allgemein der Wunsch nach einem Arbeitsplatz, der zu dem Wunsch nach einer Arbeit wurde, die ich überhaupt schaffen und von der ich meinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Daraus wurde schließlich die Suche nach einer Arbeit, die ich überhaupt schaffen konnte und schließlich blieb von all dem nur noch der Wunsch nach einer finanziellen Situation übrig, die mir ein Überleben sichert und es mir ermöglichte, dass das Leben kein täglicher seelischer Überlebenskampf war.

Inzwischen ist es mein Ziel, dass ich möglichst symptomfrei leben kann und ohne Klinikaufenthalt, zusätzliche Behandlung oder weitere Medikamente auskomme. Und weil es mir dank Verrentung besser geht, weil der große Stressfaktor und Symptomauslöser ‚Arbeit‘ weggefallen ist, versuche ich wieder vermehrt auf meine körperliche Gesundheit zu achten und meine Zeit sinnvoll und wohltuend zu verbringen. Das allerdings bleibt ein Drahtseilakt, der mich zwischen Überlastung und Unterforderung balancieren lässt, weil in mir immer auch der Drang nach MEHR vorherrscht. Was geht? Was geht noch zusätzlich? Was geht vielleicht doch wieder? Manche Ergebnisse sind deprimierend und holen mich auf den Boden der Tatsachen zurück. Dann heißt es erstmal die Symptome, für die ich sensibilisiert bin und bereits sehr früh erkenne, wieder zum Abklingen zu bringen.

Meine schwammigen Ziele habe ich also genaugenommen erreicht. Natürlich frage ich mich dennoch, ob das tatsächlich so stimmt oder ob es vielleicht doch noch besser geht. Mit weniger Medikamenten? Mit ein wenig bezahlter Arbeit? Weil mit mehr Lebensenergie auch mehr Kraft für Freizeitbeschäftigungen vorhanden ist, die aber teilweise halt auch Geld kosten, das ich mit meiner schmalen Rente (knapp über Hartz4 und ich dürfte monatlich bis zu 450 EUR arbeiten, ohne dass es angerechnet würde)  jedoch nicht habe. Zwar finde ich auch Freude an preiswerten oder gar kostenlosen Aktivitäten, aber auch in meinem Leben gibt es halt Wunschlisten, die jedoch nur dann eine Rolle spielen, wenn es mir gesundheitlich gut geht. Jeder rät mir davon ab, den Faktor Arbeit wieder in mein Leben holen zu wollen, aber das Thema ist für mich trotz allem immer noch nicht vom Tisch, wie ich merke.

Mein oberstes Ziel ist und bleibt jedenfalls: Meinen jetzigen Gesundheitszustand erhalten!

Ich weiß das und ich will das, aber ich habe auch Angst davor, dass ich es vergessen könnte…

02_ein gutes leben und andere problemeIch war zwar neugierig, ob dieser Ratgeber von Psychiatrie-Erfahrenen für Psychiatrie-Erfahrene neue Impulse für mich bereithalten würde, aber allzu hoch waren meine Erwartungen ehrlich gesagt nicht. Das hängt nicht damit zusammen, dass ich den Autorinnen Fähigkeiten absprechen würde, sondern einfach damit, dass ich in den vergangenen 10 Jahren sehr viel gelesen und ausprobiert habe, um gut für mich zu sorgen und zu erreichen, dass es mir besser geht. Mein derzeitiger Zustand ist an einem Punkt angelangt, der nur besser wäre, wenn ich diese Krankheit nicht hätte und ein gelegentliches gegensteuern und eine bedachte Lebensweise unnötig wären. Das Buch erreichte mich also zu einem Zeitpunkt, an dem sogar meine gering dosierten Medikamente, weiterhin verringert wurden. Abgesehen von einer hartnäckigen Erkältung läuft es gesundheitlich also derzeit sehr gut bei mir.

Und so las ich dieses Buch zurückblickend auf das, was ich durch meine Erkrankung erlebt und durchlebt habe. Viel Neues war für mich tatsächlich nicht dabei, aber das Buch holte mich auf menschlicher Ebene ab, weil hier zwei Autorinnen über meist eigene Erfahrungen mit Herz und Verstand schreiben und dabei in ihrem Ratgeber Tipps geben, die auch ich für mich als hilfreich in den vergangenen Jahren erkennen durfte. Hier war übersichtlich das aufgeführt, für dessen Umsetzung und Erkenntnis ich Jahre gebraucht hatte.

Die Texte in dem Buch wurden etwa je zur Hälfte von Sibylle Prins und Svenja Bunt geschrieben. Sie behandeln Themen, die viele Psychiatrie-Erfahrene beschäftigen: Alltagsgestaltung, mit wenig Geld auskommen, Arbeit, Krisen, Genesung, Beziehung, Selbstbild, Sinnsuche. Die Autorinnen geben Anregungen, wie man trotz gesundheitlicher Probleme „ein gutes Leben“ führen kann. Wie kann ich mich so verhalten, dass es mir langfristig gut geht? Wie kann ich gut für mich sorgen?

Natürlich weiß ich, dass die meisten Dinge Zeit brauchen, aber dennoch frage ich mich, ob ich meine jetzige Lebensqualität vielleicht eher hätte erreichen können, wenn mir dieser Ratgeber vor 10 Jahren, gleich zu Beginn meiner Behandlung in die Hände gefallen wäre. Ich will die Erwartungen an dieses Buch nicht zu hoch schrauben, aber allein dieser Gedanke bringt mich dazu, es zu empfehlen und ich werde wohl künftig auch nicht müde werden, dies zu tun.

Dieser Ratgeber erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit. Er belehrt nicht und er verspricht auch keine Wunder. Aber er bietet Möglichkeiten, denn wenn im Laufe einer psychischen Erkrankung so mancher Lebenstraum begraben wird, gehen doch manchmal neue Türen auf, wenn man gut für sich sorgt. Die komplette Rezension zu diesem Buch findet ihr auf meinem Bücherblog umgeBUCHt.

Erfreuliche Unbequemlichkeit

Ich bin ein Mensch, der am liebsten keine Medikamente nimmt, der Unpässlichkeiten und Krankheiten schon mal aussitzt, verschläft oder ausschwitzt und den Schädel meist ohne Tabletteneinnahme brummen lässt. Nur bei den mir verordneten Psychopharmaka sehe ich es anders. Sie haben mir seinerzeit so abrupt geholfen und mir ein völlig anderes Lebensgefühl ermöglicht, dass ich das unter keinen Umständen aufs Spiel setzen wollte und will. Auch war ich von Anfang an in kompetenter Betreuung und fühlte mich nie bevormundet oder gar den Ärzten ausgeliefert. Alles lief Hand in Hand. Leben und Gesundheit wurden in den vergangenen Jahren stabiler. So etwas schaffen niemals nur Medikamente allein, aber sie unterstützen und besänftigen die wirre Chemie im Kopf, damit Richtungskorrekturen im Leben erst möglich werden. Ich habe korrigiert und gelernt mit vielem umzugehen – in den letzten 10 Jahren.

Vor einer Woche hatte ich einen Termin bei meiner Psychologin und freute mich, als sie mir vorschlug, meine Medikamente weiter zu reduzieren. Mein Lamotrigin-Spiegel ist generell immer sehr niedrig gewesen und deshalb nehme ich nun nur noch 25 anstatt 50 mg pro Tag. Und wenn alles gut läuft, dann sehen wir in zwei Monaten weiter. Natürlich beobachte ich mich argwöhnisch, immer darauf bedacht Veränderungen frühzeitig zu bemerken und gegebenenfalls rechtzeitig reagieren zu können. Ich meine mich etwas verletzlicher und etwas wacher zu fühlen. Aber ob diese gefühlte Verletzlichkeit tatsächlich als eine Reaktion auf die geringere Dosis des Medikaments zurückzuführen ist oder darauf, dass ich mich wachsam im Auge behalte und auch Kleinigkeiten bemerke, die mir ansonsten vielleicht entgehen, weil ich entspannter lebe, das kann ich nicht eindeutig sagen.

Wir werden sehen…

 

 

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Eigentlich müsste ich…
Besser wäre es, wenn ich…
Gerade in meinem Fall wäre es wohl sinnvoll, wenn ich…

Aber mir geht es doch gut. Das will ich genießen, solange es dauert. Den Fokus auf das Positive richten. Nicht die Katastrophen suchen oder sich Horrorszenarien ausmalen, weil mir das nicht gut tut.

Und doch lässt mich die Angst vor der eigenen Psyche nicht los. Es war bisher noch nie so schlimm, dass sie mich derart im Stich gelassen hätte, dass ich nicht mehr für mich selbst entscheiden konnte, aber was wäre wenn? Den Gedanken würde ich am liebsten gleich verdrängen und doch bin ich mit meinen Lebensjahren über die Mitte hinaus, so dass auch ohne psychische Erkrankung irgendwann vielleicht zunehmende Altersdemenz oder gar Schlimmeres von mir Besitz ergreifen könnte. Es wäre also tatsächlich sinnvoll sich über einige Dinge Gedanken zu machen und diese vorsorglich zu regeln.

Dazu hatte ich zwar bereits einiges im Netz gefunden, konnte aber für mich keinen roten Faden entdecken und fühlte mich von der ganzen Thematik völlig überfordert. Glücklicherweise wurde ich auf zwei Broschüren aufmerksam, die mir mitsamt Formularen sehr gut weiter geholfen haben. Einzelheiten findet ihr auf umgeBUCHt in meinem Beitrag: Das Vorsorge-Set + Das Nachlass-Set.

Genau das beschäftigte mich in den vergangenen Monaten. Kein schönes Thema und enorm anstrengend. Es hat mich einiges an Kraft gekostet, aber ich habe auch vieles mit meinem Herzbuben, mit dem ich nicht verheiratet bin, durchgesprochen und geregelt. Kein schönes Gefühl, jemandem im Ernstfall so unglaublich viel Macht über sein Leben zu geben. Das will gut überlegt sein. Und auch wenn bei mir ein mulmiges Gefühl in der Magengegend bleibt, fühlt es sich doch auch gut an, einem Menschen dieses Vertrauen entgegenzubringen und sich nicht einfach darauf zu verlassen, dass sich die Dinge im Falle eines Falles schon irgendwie regeln werden.

Und weil ich schonmal dabei war und tatsächlich auch am Leben hänge,  habe ich auch gleich den Notfall-Ausweis heruntergeladen und ausgefüllt. Er ist jetzt mitsamt Organspendeausweis und selbst erstelltem Notfall-Ausweis für meine Katze in meinem Portemonnaie, weil ich es fast immer dabei habe, wenn ich unterwegs bin.

Shock Therapy: Pain